Wenn Startup auf Mittelstand trifft: Was XITO und Metallux richtig machen

Kooperationen zwischen jungen Tech-Unternehmen und etablierten Industriebetrieben scheitern oft an Missverständnissen. Das Beispiel  XITO  und  Metallux  zeigt, warum es hier klappt und was andere davon lernen können.

XITO | Toolify Robotics GmbH

DS

Dennis Stampfer

CEO

Inhalt

Zwei Welten, ein Problem

Fachkräftemangel, monotone Fertigungsprozesse und wachsender Produktionsdruck sind keine neuen Themen im deutschen Mittelstand. Neu ist, wie Unternehmen wie die Metallux AG aus Leutenbach darauf reagieren: mit einem Startup als Partner, der Robotik zugänglich macht, ohne dass ein Ingenieursstudium nötig ist.

Die Metallux AG ist ein international gefragter Entwickler und Hersteller von Sensoren. Produkte, die in unzähligen Industrieanwendungen stecken und höchste Präzision verlangen. Auf der anderen Seite steht XITO, die Robotikplattform der Ulmer Toolify Robotics GmbH. Ein junges Unternehmen mit dem Anspruch, Automatisierung für den Mittelstand so einfach wie möglich zu machen.

Was beide verbindet beschreibt Uwe Zimmermann, Produktionsleiter bei Metallux, so: „Uns war recht schnell klar, dass ein Cobot die beste Option ist, da der Arbeitskräftemangel eher zunehmen wird." Eine Einschätzung, die er mit dem ganzen Mittelstand teilt: „Der gesamte Mittelstand wird in diese Richtung handeln müssen, wir sind da kein Einzelschicksal."



Stupide Arbeit – mit System

Der konkrete Auslöser für die Kooperation war eine Aufgabe, die Zimmermann selbst so beschreibt: „Diese Arbeit ist wirklich stupide." Rundwiderstände aus Styroporblistern entnehmen, präzise auf dem Tisch eines Tintenstrahldruckers platzieren, durch den Druckkopf schieben, in einen Fertigteile-Blister legen und das Hunderte Male pro Schicht. Unverzichtbar für die Rückverfolgbarkeit, kaum tolerierbar als Dauerbeschäftigung für qualifizierte Mitarbeitende.

Der menschliche Körper ermüdet, die Präzision lässt nach und die Fehlerquote steigt. Im Hinterkopf bleibt stets die Sorge: Was, wenn jemand ausfällt? Zimmermann findet dafür klare Worte der Wertschätzung: „Die Mitarbeitenden, die das machen, sind einfach unglaublich", aber er weiß, dass ihre Fähigkeiten anderswo besser eingesetzt sind.



Flexibilität statt Insellösung

Was Metallux bei XITO fand, war kein starres Spezialgerät, sondern eine offene Plattform. Der Cobot übernimmt per Vakuumgreifer die Widerstände aus dem Blister, legt sie in eine Drehvorrichtung, prüft die korrekte Druckposition über eine am Arm montierte Kamera und schiebt das Bauteil präzise durch den Druckkopf. Eine Aufgabe, die durch die enge Druckfläche von gerade mal 7 mm technisch anspruchsvoll ist. Anschließend platziert er das fertige Teil im Ausgabe-Blister. Der gesamte Prozess läuft nun in drei Schichten und Zimmermann organisiert die Versorgung pragmatisch: Eine Ampel signalisiert, wann ein Mitarbeitender aus einer anderen Abteilung einfach den nächsten Blisterstapel nachliefert.



Was diese Kooperation trägt

Das Beispiel Metallux und XITO ist kein Zufall. Es illustriert fünf Grundsätze, die Startup-Mittelstand-Kooperationen gelingen lassen:

  1. Konkretes Problem zuerst Kein Pilotprojekt auf Vorrat. Metallux hatte eine klar definierte, schmerzhafte Aufgabe und XITO bot dafür die passende Antwort. Abstrakte Digitalisierungsinitiativen ohne Problemfokus scheitern dagegen regelmäßig.

  1. Niedrige Einstiegshürde XITO verzichtet bewusst auf aufwendige Maschinenanbindung und Schutzvorrichtungen. Der Produktionsleiter programmierte den Cobot selbst, mit wenigen Stunden Schulungsaufwand. Die technologische Souveränität bleibt beim Kunden.

  1. Skalierbare Ambition Metallux dachte von Anfang an über den ersten Anwendungsfall hinaus. Gute Start-up-Partner bauen Lösungen, die mitwachsen.

  1. Mitarbeitende mitnehmen Die Kollegin, die bislang die Widerstände platzierte, ist laut Zimmermann „happy" mit dem Roboter und hat ihn bereits nach einem Namen gefragt. Akzeptanz entsteht durch Einbindung, nicht durch Ankündigung.

  1. Ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung Zimmermann fasst es nüchtern zusammen: „Für uns rechnet sich die XITO-Plattform." Kein Technologie-Hype und keine vagen Effizienzversprechen, sondern ein klarer Business Case als Grundlage der Entscheidung.

Erwähnte Organisationen

Videos

Kommentare